Kaffeewissen
Peaberry: die runde Bohne, von der man oft hört

Peaberry: die runde Bohne, von der man oft hört
Wer sich länger mit Specialty Coffee beschäftigt, stolpert irgendwann über das Wort Peaberry. Auf Spanisch heisst sie Caracolillo, im Deutschen manchmal Perlbohne. Sie wird oft als etwas Besonderes verkauft, manchmal teurer als das gleiche Lot in normaler Form. Aber was steckt eigentlich dahinter?
Was eine Peaberry ist
Eine Kaffeekirsche enthält normalerweise zwei Samen. Die beiden flachen Seiten liegen aneinander, deshalb sieht man bei einer geöffneten Kirsche meistens die typische Furche der Kaffeebohne. Bei einer Peaberry wurde nur eine der beiden Samenanlagen befruchtet. Der einzelne Samen hat plötzlich Platz in der ganzen Kirsche und wächst rund. Statt zwei flachen Hälften steckt also eine kleine, ovale Bohne in der Frucht, fast wie eine Erbse.
Der Anteil schwankt je nach Quelle, aber etwa drei bis fünf Prozent der gesamten Ernte sind typisch. In manchen Regionen liegt er etwas höher. Es ist also keine Seltenheit, aber auch nichts, was man auf jeder beliebigen Packung garantiert findet.
Warum sie sortiert wird
Nach der Ernte werden die Bohnen über Siebe gerüttelt. Peaberries fallen anders durch das Raster als Flachbohnen, weil sie kleiner und runder sind. Manche Mühlen nutzen zusätzlich optische Sortierer oder Dichtetische. Wer Peaberries als eigenes Lot vermarkten will, fügt einen Schritt mehr in die Aufbereitung ein. Das kostet Zeit und Geld, deshalb ist eine Peaberry auf dem Markt oft teurer.
Trennen muss man sie aber auch aus einem zweiten Grund: Sie rösten anders. Eine kleinere, dichtere Bohne nimmt Wärme anders auf als eine flache. Wenn beide zusammen in der Trommel sind, wird das Resultat ungleichmässig. Viele Röster ziehen es deshalb vor, Peaberries separat und meistens etwas vorsichtiger zu rösten.
Berühmte Peaberry-Herkünfte
Tansania ist die bekannteste Adresse. Tanzania Peaberry ist seit Jahrzehnten ein eigener Begriff im Kaffeehandel, mit fruchtigen, oft beerigen Profilen aus dem Hochland am Kilimandscharo und im Süden des Landes. Brasilien produziert ebenfalls grosse Mengen, einfach weil das Gesamtvolumen dort so gross ist. Kona-Peaberry aus Hawaii ist ein bekanntes Premium-Lot, ebenso Peaberries aus Kenia und Kolumbien.
In Ländern, in denen die Aufbereitung weniger industrialisiert ist, landen Peaberries meistens im normalen Lot. Sie sind also nicht überall verfügbar, sondern dort, wo die Infrastruktur für die Sortierung steht.
Schmeckt sie wirklich anders?
Hier wird es interessant. In der Kaffeeszene heisst es oft, Peaberries seien intensiver, süsser, klarer in der Säure. Die Begründung: Die ganze Energie der Kirsche fliesst in einen Samen statt in zwei. Dazu ist die Bohne dichter, was auf dem Papier auf etwas mehr Zucker und mehr Säure hindeutet.
In der Praxis ist das Bild differenzierter. Verkostungen zeigen, dass viele Peaberries tatsächlich eine etwas konzentriertere Tasse ergeben, vor allem wenn sie sortenrein geröstet werden. Aber die Unterschiede zwischen verschiedenen Farmen, Aufbereitungen und Röstungen sind oft grösser als die zwischen Peaberry und Flachbohne aus dem gleichen Lot. Wer eine Peaberry kauft, kauft selten nur die Form. Er kauft auch eine sorgfältige Sortierung und ein etwas exklusiveres Lot.
Wie man sie zu Hause behandelt
Wenn dir eine Peaberry in die Hände fällt, lohnt es sich, beim Brühen ein bisschen experimentierfreudig zu sein. Weil die Bohne dichter ist, braucht sie oft etwas mehr Wasser und Zeit, bevor sie ihre Aromen freigibt. Ein Klick gröber als üblich, ein paar Sekunden mehr Brühzeit, und du holst mehr aus ihr heraus. Bei der V60 oder im AeroPress kommt das Profil meistens klarer raus als im Espresso.
Ansonsten gilt das Gleiche wie bei jedem guten Kaffee: frisch geröstet, frisch gemahlen, sauberes Wasser. Eine Peaberry ist kein magischer Kaffee, aber ein interessanter. Wer einmal eine gute Tanzania Peaberry blind neben dem normalen Lot probiert, hört oft den Unterschied.
Bei Röstpost
Im Röstpost-Marktplatz tauchen Peaberries hin und wieder auf, je nachdem, was unsere Schweizer Röstereien gerade kuratieren. Wenn du dich für die runde Bohne interessierst, lohnt sich ein Blick auf Lots aus Tansania, Kenia oder Kona. Frag im Zweifel beim Röster nach. Die meisten erzählen gern, woher ihre Peaberries kommen.



