Kaffeewissen
Liberica Kaffee: die dritte Kaffeeart erklärt

Die dritte Kaffeeart, von der kaum jemand spricht
Fast alles, was du je getrunken hast, war Arabica oder Robusta. Diese zwei Arten teilen sich den Weltmarkt fast komplett auf. Aber es gibt eine dritte, die kaum jemand kennt: Liberica. Und ihre nahe Verwandte Excelsa. Zusammen machen sie heute einen winzigen Bruchteil der Welternte aus, und trotzdem reden plötzlich Forscher und Röster wieder über sie. Warum, das ist eine Geschichte über einen Pilz, ein paar spanische Mönche und das sich ändernde Klima.
Arabica, Robusta, und dann?
Arabica (Coffea arabica) ist die Diva: aromatisch, säurebetont, anspruchsvoll im Anbau, und sie steht für grob 60 bis 70 Prozent der weltweiten Produktion. Robusta (Coffea canephora) ist der robuste Arbeiter: mehr Koffein, mehr Ertrag, weniger empfindlich, der grosse Rest des Marktes. Liberica (Coffea liberica) ist der Aussenseiter. Du wirst online oft lesen, sie mache ein bis zwei Prozent des Weltmarkts aus. Das stimmt nicht. Diese Zahl stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Eine Studie der Royal Botanic Gardens Kew schätzte 2025, dass Liberica und Excelsa zusammen heute wohl unter 1000 Tonnen pro Jahr liegen, also rund 0,01 Prozent des globalen Kaffeeexports. Ein Tropfen im Meer.
Wo Liberica herkommt
Der Name verrät es: Liberica stammt aus West- und Zentralafrika, benannt nach Liberia. Berühmt wurde sie aber woanders. Spanische Mönche brachten die Pflanze in den 1740er Jahren in die philippinische Stadt Lipa. Und dann kam der Glücksfall, der eigentlich eine Katastrophe war. Ab den 1860er Jahren fegte der Kaffeerost, ein Pilz, durch die Arabica-Plantagen der Welt und vernichtete ganze Anbaugebiete. Liberica galt als widerstandsfähiger, und plötzlich war sie gefragt. In den 1880er Jahren gehörten die Philippinen zu den grössten Kaffeeproduzenten der Welt. 1889 erreichte der Rost dann auch die Inseln, und der Boom brach zusammen. Die meisten Bauern stiegen auf andere Pflanzen um.
Kapeng Barako, der Stolz von Batangas
Auf den Philippinen heisst Liberica bis heute Kapeng Barako. Barako bedeutet so viel wie wild oder draufgängerisch, und das passt zum Geschmack: kräftig, mit einem Aroma, das viele an Anis erinnert. Angebaut wird sie vor allem in den Provinzen Batangas und Cavite, meist für den lokalen Markt. Für viele Filipinos ist Barako kein Nischenkaffee, sondern ein Stück Identität.
Wie Liberica schmeckt
Zuerst fällt die Bohne auf. Liberica-Bohnen sind gross, ungleichmässig und oft hakenförmig, anders als alles, was du im Supermarkt siehst. Im Tassenprofil ist sie ein Charaktertyp: voller Körper, oft rauchig, holzig, nussig, manchmal mit einer fast fruchtigen Note Richtung Jackfrucht und einem blumigen Hauch. Man liebt sie oder man reibt sich an ihr, dazwischen gibt es wenig. Excelsa, die Verwandte, schmeckt tendenziell fruchtiger, säuerlicher und komplexer. Beim Koffein liegen beide irgendwo zwischen der sanften Arabica und der kräftigen Robusta.
Excelsa und die Überraschung von 2025
Lange galt Excelsa als blosse Spielart von Liberica, botanisch als Coffea liberica var. dewevrei geführt. Im August 2025 veröffentlichte ein Team der Royal Botanic Gardens Kew rund um den Botaniker Aaron Davis eine genetische Studie im Fachjournal Nature Plants. Das Ergebnis: Was wir Liberica nennen, sind eigentlich drei verschiedene Arten. Coffea liberica (die klassische Liberica), Coffea dewevrei (Excelsa) und eine dritte, neu anerkannte Art namens Coffea klainei, die kaum erforscht ist und in Ländern wie Kamerun, Gabun und Angola vorkommt. Die wilden Verbreitungsgebiete von Liberica und Excelsa überschneiden sich nicht, und ihre Klimavorlieben sind deutlich verschieden. Klingt nach botanischer Erbsenzählerei, ist aber wichtig für die Zukunft.
Warum Liberica plötzlich wieder spannend ist
Der Klimawandel verschiebt die Landkarte des Kaffees. Die Höhenlagen und Temperaturen, die Arabica braucht, werden seltener, und auch Robusta hat Grenzen. Liberica und Excelsa kommen mit Hitze, viel Regen und tiefen Lagen zurecht, also genau dort, wo die anderen beiden Mühe haben. Forscher sehen darin eine mögliche Reservepflanze für eine wärmere Welt. Excelsa fasst inzwischen in Uganda, im Südsudan und in Guinea Fuss, weil sie auch bei höheren Temperaturen und längeren Trockenphasen noch verlässlich trägt. In Malaysia, Indonesien und auf Fidschi erlebt Liberica eine kleine Renaissance, und auch in Indien und Vietnam wird mehr davon angebaut. Eine vergessene Kaffeeart wird zur Hoffnungsträgerin.
Auf einem Schweizer Regal wirst du Liberica selten finden, und das ist völlig in Ordnung. Spannend ist der grössere Punkt dahinter: Kaffee ist viel vielfältiger, als die zwei Namen auf den meisten Packungen vermuten lassen. Wenn du tiefer in die Unterschiede zwischen den Arten einsteigen willst, lies unseren Beitrag zu Arabica und Robusta. Und wenn du einfach Lust auf richtig guten, frisch gerösteten Kaffee von kleinen Schweizer Röstereien hast, schau auf unserem Marktplatz vorbei.



