Kaffeewissen
Cup of Excellence: Wie der wichtigste Wettbewerb im Specialty Coffee funktioniert

Cup of Excellence: Wie der wichtigste Wettbewerb im Specialty Coffee funktioniert
In der Welt des Specialty Coffee gibt es viele Auszeichnungen, aber nur eine, die wirklich alle erwähnen, wenn es um Qualität geht: Cup of Excellence. Hinter den drei Buchstaben steht der älteste und renommierteste Wettbewerb für Spezialitätenkaffee. Was 1999 in Brasilien als Experiment begann, ist heute eine Bewegung, die in elf Ländern Bohnen sucht, blind verkostet und am Ende Auktionen organisiert, bei denen einzelne Lots Preise erzielen, die selbst die Branche immer wieder zum Staunen bringen.
Wie alles angefangen hat
Die Idee entstand 1994 in Genf. Pablo Dubois und Frans Bolvenkel arbeiteten am Gourmet Coffee Project der International Coffee Organization und überlegten sich, wie man die wirklich aussergewöhnlichen Kaffees aus der grossen Masse hervorheben könnte. Damals waren Kaffeepreise im Keller, Bauernfamilien verdienten kaum etwas, egal wie gut ihre Bohnen waren. 1999 fand die erste Verkostung in Lavras, Brasilien statt, unter dem Namen Best of Brazil. Ab 2000 wurde der Wettbewerb in Cup of Excellence umbenannt und hat sich seither auf rund elf produzierende Länder ausgebreitet, von Honduras über Kolumbien bis Äthiopien.
Sechs Runden, eine Wahrheit
Was Cup of Excellence einzigartig macht, ist nicht ein einzelner Verkostungstermin, sondern ein ganzer Marathon. Jeder Kaffee durchläuft sechs separate Bewertungsrunden, alle blind. In den ersten drei Runden bewertet eine nationale Jury aus erfahrenen Kaffee-Profis. Mehrere Hundert Lots werden eingereicht. Wer in der Vorauswahl mindestens 86 Punkte erreicht, kommt in die Top 150. Diese 150 werden noch einmal verkostet, die besten 90 ziehen weiter. Eine letzte nationale Runde reduziert das Feld auf 40 Kaffees.
Dann kommen die internationalen Jurorinnen und Juroren. Zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Q-Grader und Verkostungs-Profis aus der ganzen Welt reisen ins Anbauland und bewerten die Top 40 in drei weiteren Runden. Am Ende entscheidet der Punktestand. Die Top 30 werden National Winners. Wer in der finalen Runde mindestens 87 Punkte erreicht, gewinnt offiziell einen Cup of Excellence Award.
Was bedeuten 87 Punkte überhaupt
Die Specialty Coffee Association hat klar definiert, was Specialty Coffee ist: ein Kaffee, der mindestens 80 von 100 Punkten erreicht. Das ist die Eintrittskarte. 87 Punkte sind eine andere Liga. Auf diesem Niveau spricht man nicht mehr von solider Qualität, sondern von aussergewöhnlichem Charakter. Eine klare, präzise Säure, ein langer Nachgeschmack, eine Tasse, die mit jeder Temperatur neue Facetten zeigt. 90 Punkte und mehr sind extrem selten und bewegen sich in der Welt von Geisha-Varietäten und kompromisslos sortierten Mikrolot-Ernten.
Die Auktion und was sie wirklich bewirkt
Wenige Wochen nach der Verkostung folgt die Online-Auktion. Röstereien aus aller Welt bieten gegeneinander auf die siegenden Lots. Die Preise sind oft überraschend, manchmal absurd. Im Jahr 2024 zahlte eine Rösterei aus Los Angeles 445 US-Dollar pro Pfund für das Siegerlot der ersten Cup of Excellence in Äthiopien, ein natürlich aufbereiteter 74158 von der Basha-Farm in Sidama. Damit wurde der bisherige Rekord von 400.50 Dollar pro Pfund aus dem Jahr 2022 übertroffen.
Was diese Zahlen so wichtig macht: Der grösste Teil des Auktionserlöses geht direkt an die Bauernfamilie, die den Kaffee produziert hat. Bis 2018 hatte Cup of Excellence nach eigenen Angaben über 60 Millionen Dollar an Kaffeefamilien in zwölf Ländern ausgeschüttet. Für viele kleine Betriebe ist das nicht einfach ein gutes Jahr, sondern eine Veränderung der Lebenssituation. Investitionen in Trocknungsbetten, in eine eigene Mühle, in die Schule der Kinder, in die nächste Generation.
Was das mit deiner Tasse zu tun hat
Die meisten Cup of Excellence Lots landen nicht im Supermarktregal. Sie werden in kleinen Mengen geröstet, in spezialisierten Röstereien, oft auf bestimmte Wochen begrenzt. Manchmal tauchen sie als limitierte Releases bei Schweizer Specialty-Röstereien auf, klar gekennzeichnet, mit Punktzahl, Aufbereitungsmethode und Bauerngeschichte. Wenn du dort einen kaufst, weisst du genau, was du in der Hand hast: einen Kaffee, der von einer der strengsten Jurys der Welt für aussergewöhnlich befunden wurde, und für den die Person, die ihn angebaut hat, fair entlohnt wurde.
Mehr als nur ein Sticker
Cup of Excellence ist kein Marketing-Label, das man kaufen kann. Es ist ein Wettbewerb mit klaren Regeln, mit blinder Verkostung und mit echten Konsequenzen für die Familien, die seit Generationen Kaffee anbauen. Wer das nächste Mal eine Tasse mit COE-Zertifikat trinkt, sitzt nicht nur vor einem teureren Kaffee, sondern vor einer kleinen Geschichte von Handwerk, Sortenwahl, Aufbereitung, Trocknung, Sortierung und ja, auch Glück mit dem Wetter.
Bei Röstpost
Wir kuratieren Schweizer Röstereien, die mit aussergewöhnlichen Bohnen arbeiten. Manche davon haben schon Cup of Excellence Lots im Sortiment, andere arbeiten mit Bauernfamilien zusammen, die kurz davor stehen. Auf Röstpost findest du Specialty Coffee aus der ganzen Schweiz, sortiert nach Geschmack, Aufbereitung und Herkunft. Probier dich durch, lerne Bohnen kennen, die wirklich Charakter haben.



