Zubereitung
Kalita Wave: Der japanische Flachboden-Dripper, der Filterkaffee verzeihender macht

Kalita Wave: Der japanische Flachboden-Dripper, der Filterkaffee verzeihender macht
Wenn du in eine gute Specialty-Bar in Zürich, Bern oder Luzern gehst und dir einen Filterkaffee bestellst, kommt der oft aus einem von zwei Geräten. Entweder einem Hario V60 mit konischer Form, oder einem flachen Dripper mit drei kleinen Löchern und einem gewellten Papierfilter. Letzterer heisst Kalita Wave, und er hat in den letzten Jahren leise eine ganze Generation an Baristas erobert.
Eine Filterfabrik aus Tokio
Kalita ist eine japanische Familienfirma, gegründet 1958 in Nihonbashi, Tokio. Angefangen hat sie mit Papierfiltern, daher der Name. Heute sitzt das Unternehmen in Yokohama und produziert eine ganze Reihe von Brewing-Geräten, vom kleinen Tropfaufsatz bis zum Trommelröster. Der Wave Dripper ist ihr bekanntestes Produkt.
Bekannt geworden ist er international 2013, als Erin McCarthy den US Brewers Cup mit einem Kalita Wave gewann. Davor war er ein Insidertipp, danach ein Standardgerät in vielen Specialty-Cafés.
Was den Wave vom V60 unterscheidet
Der V60 hat einen konischen Körper und ein einziges grosses Loch unten. Das Wasser fliesst schnell durch, du musst die Strömung mit deiner Giesstechnik selbst kontrollieren. Wer das beherrscht, holt aus dem V60 unglaublich klare, helle Tassen. Wer es nicht beherrscht, kriegt schnell etwas Wässriges oder Bitteres.
Der Kalita Wave macht es einfacher. Er hat einen flachen Boden mit drei kleinen Löchern. Das Wasser sammelt sich im Kaffeebett, fliesst gleichmässig nach unten ab und du musst weniger pingelig giessen. Dazu kommt der spezielle Wellenfilter mit zwanzig Falten. Die Wellen halten den Filter von der Wand des Drippers fern, sodass das Wasser nicht aussen vorbeirinnt, sondern wirklich durch das Kaffeebett fliesst. Resultat: gleichmässigere Extraktion, mehr Süsse, mehr Körper. Weniger Drama als beim V60.
Welche Grösse
Es gibt zwei Standardgrössen. Wave 155 für eine bis zwei Tassen und Wave 185 für zwei bis vier. Der 185 ist der Allrounder. Das Material gibt es in Edelstahl, Glas und Keramik. Edelstahl ist robust und reisefreundlich, Keramik hält die Temperatur am besten, Glas ist hübsch, aber zerbrechlich.
Ein einfaches Rezept
Verhältnis 1 zu 16. Also für eine grosse Tasse 20 Gramm Kaffee auf 320 Gramm Wasser. Mahlgrad mittel, etwa wie grobes Meersalz. Wassertemperatur 92 bis 94 Grad. Filter einlegen, mit heissem Wasser durchspülen, das Wasser aus der Karaffe wegschütten. Kaffee einfüllen, Dripper kurz schütteln, damit sich das Bett setzt.
Bloom: 40 Gramm Wasser draufgiessen, 30 bis 45 Sekunden warten. Du siehst, wie der Kaffee aufgeht und CO2 entweicht. Dann in zwei oder drei langsamen Spiralpouren das restliche Wasser nachgiessen. Bei Sekunde 1:15 solltest du etwa bei 150 Gramm sein, bei 2:00 bei 240, fertig mit Giessen bei 2:45 bis 3:00. Die ganze Tasse läuft in 3:30 bis 4:00 Minuten durch.
Wenn die Tasse zu sauer ist, mahl etwas feiner oder lass das Wasser etwas heisser. Wenn sie bitter ist, mahl gröber oder kürzer. Probieren ist Teil des Spasses.
Für wen lohnt sich das
Wer Filterkaffee zu Hause neu entdeckt und ein verzeihendes Gerät sucht, ist beim Wave gut aufgehoben. Wer schon lange V60 brüht und manchmal frustriert ist, weil die Tasse je nach Tagesform schwankt, holt sich mit dem Wave eine zweite Option, die konstanter ist. Beide haben ihre Berechtigung. Viele Specialty-Bars nutzen beides parallel und entscheiden je nach Bohne, was besser passt.
Bei Röstpost
Helle Röstungen aus Äthiopien, Kenia oder Kolumbien funktionieren im Wave wunderbar. Die florale, fruchtige Seite kommt klar raus, und der flache Boden hilft, eine ruhige, süsse Tasse zu ziehen. Auf dem Röstpost-Marktplatz findest du jede Woche neue Filterkaffees von Schweizer Spezialitätenröstern, die sich genau dafür eignen. Probier dich durch ein paar Herkünfte, vergleich, was im Wave anders schmeckt als in der Bialetti, und du verstehst schnell, warum so viele Leute beim Filter geblieben sind.



