Zubereitung
Cold Brew zu Hause machen: Die ganze Anleitung

Cold Brew zu Hause machen: Die ganze Anleitung
Cold Brew ist nicht einfach kalter Kaffee. Es ist eine eigene Brühmethode, ein eigener Geschmack, eine eigene Welt. Während heisser Kaffee in wenigen Minuten extrahiert wird, lässt Cold Brew sich Zeit. Viel Zeit. 12 bis 24 Stunden, in denen kaltes Wasser langsam alles aus dem Kaffee herausholt, was es kann. Das Resultat schmeckt anders als alles, was du von heisser Zubereitung kennst. Sanfter, süsser, runder. Und einmal verstanden, machst du es nie wieder anders.
Was Cold Brew eigentlich ist
Bei Cold Brew kommt grobgemahlener Kaffee mit kaltem Wasser in Kontakt und bleibt dort stundenlang. Keine Hitze, kein Druck, nur Geduld. Weil das Wasser kalt ist, werden die bitteren und sauren Stoffe deutlich langsamer gelöst als bei heisser Zubereitung. Süsse Aromen, Schokolade, Karamell, Frucht haben dagegen Zeit, sich voll zu entfalten. Studien der Thomas Jefferson University haben gezeigt, dass Cold Brew rund 60 Prozent weniger Säure enthält als herkömmlich gebrühter Kaffee. Das macht ihn sanfter zum Magen, leichter trinkbar und weniger anstrengend für die Geschmacksknospen.
Cold Brew ist nicht Iced Coffee
Das wird oft verwechselt. Iced Coffee ist heiss gebrühter Kaffee, der mit Eis gekühlt wird. Cold Brew wird von Anfang an mit kaltem Wasser zubereitet. Der Unterschied im Geschmack ist deutlich. Iced Coffee schmeckt nach gekühltem Kaffee, also recht hell, sauerlich, manchmal etwas wassrig durch das schmelzende Eis. Cold Brew schmeckt voll, dunkel, fast schokoladig, mit niedriger Säure und langem, süssen Nachklang. Beide sind gut, aber sie sind nicht dasselbe.
Eine kurze Geschichte
Cold Brew klingt wie ein Hipster-Trend, ist aber alt. Die Methode geht zurück bis ins 17. Jahrhundert. Holländische Seefahrer brauten Kaffee mit kaltem Wasser, weil offene Flammen auf Holzschiffen verboten waren. Die Méthode kam über den Handel nach Japan und wurde dort vor allem in Kyoto perfektioniert. Bis heute gibt es in Kyoto Cafés mit grossen Glasturmen, in denen Wasser tropfen für Tropfen über Stunden durch Kaffee läuft. Daher der Name Kyoto Slow Drip. In den Westen kam Cold Brew als Massenphänomen erst in den 2010er Jahren, über kalifornische Specialty-Cafés.
Was du brauchst
Die gute Nachricht: Du brauchst praktisch keine Ausrüstung. Ein grosses Glasgefäss mit Deckel, ein Sieb oder ein feines Tuch zum Filtern, eine Waage und natürlich Kaffee und Wasser. Es gibt spezielle Cold Brew Karaffen mit eingebautem Filter, aber die sind kein Muss. Eine French Press funktioniert auch hervorragend, weil sie Filter und Gefäss in einem ist.
Das Verhältnis
Hier liegt der wichtigste Hebel. Für ein Konzentrat, das du später mit Wasser oder Milch verdünnst, nimmst du ein Verhältnis von 1 zu 8 (also 100 Gramm Kaffee auf 800 Gramm Wasser). Wenn du den Cold Brew direkt trinken willst, ohne zu verdünnen, gehst du auf 1 zu 12 oder 1 zu 16. Ein guter Startpunkt ist 1 zu 8 als Konzentrat, weil du damit flexibler bist. Ein Konzentrat halt sich im Kühlschrank locker eine Woche.
Der Mahlgrad
Grob mahlen. So grob wie für eine French Press, oder noch eine Spur grober. Vorstellung: grobes Meersalz. Wenn du zu fein mahlst, wird dein Cold Brew bitter und trübe, weil die Partikel zu lange in Kontakt mit dem Wasser sind. Eine ordentliche Mühle ist hier wirklich wichtig. Vorgemahlener Kaffee aus dem Supermarkt funktioniert nicht gut, weil er meist viel zu fein ist.
Die Anleitung
Wieg deinen Kaffee ab. 100 Gramm für ein gutes Konzentrat. Mahle ihn grob. Gib ihn in dein Gefäss. Giess 800 Gramm kaltes oder lauwarmes Wasser darüber, langsam, damit der Kaffee gleichmässig benetzt wird. Rühre kurz um. Decke das Gefäss ab. Stell es bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank für 12 bis 18 Stunden hin. Im Kühlschrank dauert die Extraktion etwas länger, das Ergebnis ist aber sauberer und stabiler.
Nach der Wartezeit filterst du den Kaffee. Erst grob durch ein Sieb, dann fein durch ein Papier-, Stofffilter oder ein sauberes Geschirrtuch. Geduld lohnt sich, eilig durchgepresster Cold Brew wird trübe. Das Konzentrat füllst du in eine Flasche und stellst es in den Kühlschrank. Fertig.
So trinkst du ihn
Konzentrat heisst Konzentrat. Direkt getrunken ist er extrem stark. Verdünne ihn mit kaltem Wasser im Verhältnis 1 zu 1, oder mit Milch und Eis für einen Cold Brew Latte. Wer es richtig will: ein paar Eiswürfel ins Glas, die Hälfte Konzentrat, die Hälfte kaltes Wasser, ein Schuss Hafermilch oder Milch nach Wahl. Kein Zucker nötig, der natürliche Geschmack ist süss genug.
Welche Bohnen funktionieren
Praktisch alle. Aber besonders schön werden Bohnen mit Schokolade-, Nuss- und Karamellnoten, weil diese Aromen bei der langen Extraktion besonders gut zur Geltung kommen. Brasilien, Honduras, Kolumbien sind klassische Cold Brew Bohnen. Aethiopische Naturals mit Frucht- und Beerennoten funktionieren auch sehr gut, sie schmecken im Cold Brew oft überraschend wie kaltes Beerenwasser, im besten Sinne. Wichtig ist nur: frisch geröstet und qualitativ gut. Schlechter Kaffee wird durch lange Extraktion nicht besser, im Gegenteil.
Der Aufwand lohnt sich
Cold Brew braucht keine teure Ausrüstung und keine Skills. Was er braucht, ist Zeit. Du startest am Abend, am nächsten Morgen ist er fertig. Eine Kanne Konzentrat reicht für eine ganze Woche. Im Sommer gibt es nichts Erfrischenderes. Im Winter kannst du ihn auch heiss machen, indem du das Konzentrat mit heissem Wasser verdünnst. Schmeckt anders als normaler Filterkaffee, aber sehr fein.
Bei Röstpost
Frische, hochwertige Bohnen sind die Voraussetzung für guten Cold Brew. Auf unserem Marktplatz findest du Specialty Coffees von über 200 Schweizer Röstereien. Such dir eine Bohne mit Schokolade- oder Karamellnoten aus, mahle sie grob und probiere es. Du wirst es nicht bereuen.



