Zubereitung
Cortado: der spanische Klassiker, der mit weniger mehr macht

Was ein Cortado eigentlich ist
Der Cortado ist ein kleiner, ehrlicher Kaffee. Ein Espresso und genauso viel warme Milch dazu, mehr nicht. Kein Schaum-Berg, keine künstlerische Latte Art, kein grosses Glas, das du mit beiden Händen halten musst. Eher das Gegenteil: ein kompaktes Getränk von etwa 120 Millilitern, das du in zwei, drei Schlucken trinkst. Wer Espresso pur zu hart findet, aber bei einem Cappuccino das Gefühl hat, in einer Milchwolke unterzugehen, landet sehr oft beim Cortado.
Woher der Name kommt
Cortado kommt vom spanischen Verb "cortar", schneiden. Die Milch schneidet den Espresso, mildert die Säure und die Bitternoten, ohne den Kaffeegeschmack zu überdecken. Erfunden wurde der Cortado im spanischen Baskenland, populär gemacht wurde er ab den frühen 1900er Jahren in spanischen Cafés. In Spanien war er lange das Getränk für alle, denen ein Espresso zu intensiv war, ein Café con Leche aber zu verwässert.
Das richtige Verhältnis
Das klassische Verhältnis ist 1:1. Ein einfacher Espresso, etwa 30 Milliliter, und die gleiche Menge gedämpfte Milch. Die Milch wird warm aufgeschäumt, aber ohne den dicken, voluminösen Schaum eines Cappuccinos. Stattdessen entsteht eine feine, samtige Textur, die sich gut mit dem Espresso verbindet. Manche Baristas arbeiten mit 1:2, also doppelt so viel Milch wie Espresso. Das ist regional unterschiedlich und Geschmacksache. Solange das Verhältnis klein bleibt, bleibt es ein Cortado.
Cortado, Piccolo und Gibraltar
Drei kleine Milchkaffees, die ständig verwechselt werden. Der Cortado ist der spanische Klassiker, 1:1, im kleinen Glas oder in einer Tasse. Der Piccolo kommt aus Australien und hat trotz italienischem Namen mit Italien wenig zu tun: ein Ristretto und etwas mehr Milch, etwa 1:2, mit mehr Microfoam. Der Gibraltar wiederum ist im Grunde ein amerikanischer Cortado, benannt nach dem Libbey Gibraltar Glas, in dem Baristas in San Francisco in den frühen 2000er Jahren angefangen haben, ihn zu servieren. Funktional fast identisch mit dem Cortado, der Name ist eher eine Hommage an das Glas.
Wie du ihn zuhause machst
Du brauchst eine Espressomaschine, eine Dampfdüse und frische Vollmilch. Vollmilch ist nicht zwingend, funktioniert aber am besten, weil sie ein dichteres Mundgefühl gibt. Hafermilch geht auch, am besten die Barista-Variante. Wichtiger als alles andere sind frische Bohnen, sonst schmeckt der Espresso flach und die Milch übernimmt zu stark.
Schritt für Schritt: erst die Milch dämpfen. Etwa 50 bis 60 Milliliter in ein kleines Kännchen, Lanze knapp unter die Oberfläche halten, bis sich ein leichter Wirbel bildet, dann tiefer ziehen, bis die Milch warm ist, etwa 60 bis 65 Grad. Du willst keinen Cappuccino-Schaum, sondern eine glatte, glänzende Textur. Dann den Espresso ziehen, idealerweise direkt in das Cortado-Glas oder eine kleine Tasse. Sofort die Milch dazugiessen, vorsichtig vom Rand her. Fertig.
Welcher Kaffee passt?
Der Cortado lebt vom Espresso. Wenn der Espresso sauer und unausgewogen ist, hilft auch die Milch nicht. Klassisch nimmt man eine etwas dunklere Röstung, mit Noten von Schokolade, Karamell oder Nuss. Brasilianische oder kolumbianische Bohnen sind sichere Wahlen. Wer auf hellere, fruchtige Profile steht, kann auch einen äthiopischen Espresso probieren, dann kommen Beerennoten durch die Milch durch. Eine Geschmacksfrage, keine Frage der richtigen oder falschen Bohne.
Warum der Cortado in die Specialty-Welt passt
Seit den 2010er Jahren steht der Cortado in fast jedem guten Specialty-Café. Der Grund ist einfach: er erlaubt es, einen guten Espresso zu zeigen, ohne ihn in Milch zu ertränken. Du schmeckst die Bohne, du schmeckst die Röstung, du schmeckst den Charakter des Kaffees. Genau dafür ist Specialty Coffee da. Wer eine grosse Tasse mit viel Milch will, ist beim Latte besser aufgehoben. Wer den Kaffee im Vordergrund haben will, aber die kantige Säure des reinen Espressos etwas brechen will, ist beim Cortado richtig.
Was du dafür brauchst
Eine Espressomaschine mit Dampfdüse ist die einfachste Variante. Wer keine hat, kann mit einer Moka-Kanne und einem separaten Milchaufschäumer tricksen, das Resultat ist nicht ganz dasselbe, kommt aber nahe. Wichtiger als das Equipment sind die Bohnen. Auf unserem Marktplatz findest du Specialty Coffee aus Schweizer Röstereien, der frisch geröstet bei dir ankommt. Eine Tüte reicht für viele Cortados, und für viele kleine Momente, in denen du in zwei Minuten einen Kaffee machst, der tatsächlich nach etwas schmeckt.



