Zubereitung
Die AeroPress: Wie ein Frisbee-Erfinder das Kaffeebrühen veränderte

Die AeroPress: Wie ein Frisbee-Erfinder das Kaffeebrühen veränderte
2004 stand ein pensionierter Ingenieur in seiner Garage in Kalifornien und ärgerte sich über seinen Kaffee. Zu sauer aus dem Filter. Zu bitter aus der Maschine. Er hiess Alan Adler, hatte vorher das Frisbee Aerobie erfunden, und beschloss, dass er das Problem lösen kann. Über dreissig Prototypen später kam im November 2005 die AeroPress am Coffee Fest in Seattle auf den Markt. Heute brühen damit jährlich über fünftausend Baristas Kaffee in Wettkämpfen.
Wie das Ding funktioniert
Die AeroPress ist eine Plastikröhre mit einem Kolben drin. Du schraubst einen Filter unten in die Kappe, schüttest Kaffeepulver rein, giesst Wasser drauf, lässt es kurz ziehen und drückst dann den Kolben langsam runter. Der Druck schiebt das Wasser durch den Kaffee, das Pulver bleibt im Filter, der Kaffee landet in der Tasse. Vom ersten Wasser bis zum letzten Tropfen vergehen meistens zwischen einer und drei Minuten.
Es gibt zwei Schulen, wie du das machst.
Standard oder umgedreht?
Die Standard-Methode ist die, die in der Anleitung steht. AeroPress mit dem Filter unten direkt auf eine Tasse stellen, Kaffeepulver rein, Wasser drüber, ziehen lassen, drücken. Schnell, einfach, gut für den Morgen.
Die umgedrehte Methode (auf Englisch inverted) wurde von Coffee-Geeks erfunden, weil bei der Standard-Methode immer schon Kaffee durch den Filter tropft, während du noch ziehst. Bei der umgedrehten Methode steht die AeroPress auf dem Kolben, oben offen, und du füllst Kaffee und Wasser von oben in die Brühkammer. Erst zum Pressen drehst du das Ganze schnell auf eine Tasse. Volle Kontrolle über die Ziehzeit.
An Wettkämpfen wird heute praktisch nur noch invertiert gebrüht.
Ein Rezept, mit dem du heute anfangen kannst
Die AeroPress ist berühmt dafür, dass jedes Rezept anders ist. Aber alle starten irgendwo. Hier ein Standard, der für die meisten Bohnen funktioniert.
17 Gramm Kaffee, mittlere Mahlung (etwa wie Salz), 250 Gramm Wasser bei 92 Grad. Das ist ein Verhältnis von 1:14,7. Bei der Standard-Methode: AeroPress auf die Tasse, Filter rein, Pulver rein, in fünfzehn Sekunden das ganze Wasser draufgiessen, eine Minute ziehen lassen, dann in dreissig Sekunden langsam pressen. Total etwa eine Minute fünfundvierzig von Anfang bis Ende.
Schmeckt es bitter, dreh die Mahlung gröber. Schmeckt es sauer, dreh sie feiner oder zieh länger.
Die World AeroPress Championship
2008 trafen sich drei Freunde in Oslo, um herauszufinden, wer mit der AeroPress den besten Kaffee macht. Tim Wendelboe, einer der bekanntesten Röster Norwegens, war der Juror. Anders Valde aus Norwegen gewann. Heute ist daraus eine Bewegung geworden, mit über 120 nationalen und regionalen Wettbewerben in mehr als sechzig Ländern und insgesamt über fünftausend Teilnehmern pro Jahr.
Die Regeln sind einfach: maximal 18 Gramm Kaffee, mindestens 150 Milliliter fertiger Kaffee, fünf Minuten Zeit, blind verkostet von drei Juroren. Was du in diesen fünf Minuten machst, ist deine Sache. Manche kühlen Wasser auf 75 Grad ab, andere geben Eiswürfel direkt in die Brühkammer, andere rühren mit verkehrten Bewegungen. Alles erlaubt, solange am Ende eine echte AeroPress benutzt wird.
Was die AeroPress wirklich ist (und was nicht)
Die AeroPress ist kein Espresso, auch wenn die Werbung das gerne behauptet. Echter Espresso braucht neun Bar Druck, eine AeroPress macht im besten Fall ein Bar. Was sie macht, ist konzentrierter Filterkaffee, irgendwo zwischen Pour Over und French Press. Klarer als die French Press, weil der Papierfilter Öle und Sediment auffängt. Voller im Körper als ein Pour Over, weil der Druck mehr aus dem Pulver holt.
Sie ist klein, robust, fast unkaputtbar. Geht auf jeden Camping-Trip mit. Braucht keinen Strom. Lässt sich in dreissig Sekunden reinigen: Kappe ab, Kolben ein Stück weiter drücken, der Kaffeepuck fällt direkt in den Müll.
Warum wir sie mögen
Eine Probierbox vom Marktplatz ist wie gemacht für die AeroPress. Kleine Mengen, verschiedene Bohnen, jede Tasse wird zum Experiment. Heute eine helle Röstung aus Äthiopien mit der umgedrehten Methode, morgen ein Schweizer Espresso-Blend ganz fein gemahlen für eine konzentrierte Tasse. Du brauchst keine Maschine, kein Abo zu einem System, keine teuren Pads. Nur die Bohne, das Wasser und ein Stück Plastik mit Geschichte.
Auf unserem Marktplatz findest du Kaffees von über 200 Schweizer Röstereien. Viele davon eignen sich besonders für die AeroPress, weil sie hell genug geröstet sind, um die Aromen tatsächlich rauszubringen. Viel Spass beim Drücken.



